Raumland Kalender 1999
Für 1999 gibt die Fachhochschule Wiesbaden zum dritten Mal (nach 1993 und
1998) einen Kalender heraus. Dieser Kalender präsentiert sich, wie auch
seine beiden Vorgänger, als Ergebnis der Zusammenarbeit von Studenten des
Studiengangs Kommunikationsdesign mit Sponsoren aus dem Bereich der
grafischen Industrie.

Für Konzepte und Gestaltung des Kalenders zeichnen die Studenten Simone Schmitt und Jan Steinhilber (Fotografie) sowie Markus Remscheid (Typographie) verantwortlich. Betreut und koordiniert wurde das Projekt von Prof. Volker Liesfeld.

Raumland, der Titel des Kalenders, bezieht sich auf ein über hundert Jahre altes Buch, das entscheidener Ideengeber für die zwölf Kalenderblätter war. Dieses Buch, geschrieben von Edwin A. Abott, trägt den Titel "Flächenland". Es beschreibt das Leben in einer zweidimensionalen Welt, Flachland gennant, bewohnt von Quadraten, Dreiecken, Kreisen, usw. Für die Flachlandbewohner ist die Existenz einer dritten Dimension genauso unvorstellbar wie für uns eine vierte Dimension oder weitere. Am letzten Tag des Jahres 1999 reist eine Kugel aus der dreidimensionalen Welt (Raumland) nach Flachland. Ein Quadrat wird mit ihr konfrontiert, weigert sich jedoch, den Erzählungen der Kugel zu glauben, da es diese nicht begreifen kann. Unvorstellbar erscheint die dritte Dimension. Die Kugel nimmt darauf das Quadrat mit in die 3-D-Welt: ein transzendentale Erfahrung für das zweidimensionale Objekt, vergleichbar mit einem blinden Menschen, der plötzlich sehen lernt.

Dieses abstrakte Gedankenexperiment führt die drei Studenten zum Ausgangpunkt ihres Konzeptes, nämlich zu der Annahme, daß neben den drei Dimensionen, in denen wir gewohnt sind zu denken, weitere vorstellbar sind. So eröffnet eine intensive Beschäftigung mit scheinbar banalen Objekten und Strukturen die Türen zu neuen Wahrnehmungswelten. Sand ist plötzlich mehr als erodiertes Gestein, Holz mehr als nur ein Rohstoff.

Diesem Gedanken in sich geschlossener Bildwelten ordnen sich neben den Texten und den Bildern selbst, auch die Kalendarien unter. Monat für Monat sind sie neu zu entschlüsseln und führen so hinein in die Dimension des jeweiligen Themas. Dementsprechend trägt der Kalender die Unterzeile "Eine Reise in zwölf Dimensionen"

Ein Novum des neuen Kalenders ist die ihm beigefügt CD-Rom (Romland). Sie ergänzt den Kalender, in dem sie der visuellen und textlichen Ebene eine weitere, auditive, hinzufügt. Abstrakte Geräusche- und Tonkompositionen an die Bilder gekoppelt und vom Betrachter interaktiv beeinflußt, lassen so immer neue experimentelle Bilder-/Tonkombinationen entstehen.

Eine weitere Besonderheit der CD-Rom ist ein auf die Systemuhr des jeweiligen Computers eingestellter Countdown, der die verbleibene Zeit bis zum Jahr 2000 zählt. Und hier schließt sich der Kreis zum Ausgangspunkt; denn der Sylvesterabend 1999 ist der Zeitpunkt, an dem sich in Abbotts Roman Quadrat und Kugel begegnen. Die Reise ist ein Experiment und nicht frei von Risiken!

Hoffentlich ist Ihr Computer "big enough for both of us(e)".

Konzept:
    Moritz Boerner
    Rolf Mehnert
    Helmut Ness
    Markus Remscheid
    Simone Schmitt
    Jan Steinhilber

Koordination: Prof. Volker Liesfeld

Stand 28-Dezember-2011



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